Der einarmige Basketballer

Wir alle haben . Physische , begrenzte finanzielle , eingeschränkte Zeit. Etwas zu wenig von allem im Leben. Zumindest sagen wir uns das so und glauben daran. Auch ich tat dies, bis ich den einarmigen Basketballer traf. Was ich von ihm lernte erzähle ich euch

„Ich kann das nicht.“

„Ich habe keine Zeit dafür.“

„Weißt du wie viel das kostet?“

„Das kann ich mir nicht erlauben!“

„Ich habe nicht das Geld!“

„Ich habe zu viel zu tun.“

„Ja, wenn ich die Möglichkeiten hätte, dann würde ich so einiges tun.“

Wir alle kennen solche oder so ähnliche Aussagen. Vermutlich nutzen wir sie selbst tagtäglich, um zu rechtfertigen, warum wir etwas nicht können, sollen oder wollen. Es sind unsere alltäglichen Ausreden, die rechtfertigen sollen, warum etwas nicht funktioniert, ohne bei all der Kritik uns selbst zu betrachten. Es hilft uns dabei Dampf abzulassen und die Schuld auf andere Menschen oder Umstände zu schieben. Und dabei gibt es unter uns diese ganz besondere Klasse von Menschen, die wahrlich zu Experten auf diesem Gebiet geworden sind. Vor diesen Menschen laufe ich mittlerweile buchstäblich weg, weil sie einen Menschen in den Wahnsinn treiben können. Unterhält man sich mit solchen Menschen über ein Problem und gibt ihnen einen Lösungsvorschlag, haben sie problemlos drei weitere Hürden parat, die ihnen auf einen Lösungsvorschlag im Weg stehen. Mein Tipp: Haltet euch fern von solchen Menschen. Diesen ist nicht zu helfen, weil sie keine Hilfe möchten. Sie möchten nur meckern, nörgeln und sich beschweren. Nicht weiterkommen, eine Lösung finden, oder dass etwas funktioniert. So viel zu den Nörglern. Wie geht es weiter?

In meiner Zeit in den USA, während eines Forschungsaufenthalts, wurde ich bezüglich einiger Erwartungen stark „enttäuscht“ oder sagen wir zurück auf den Boden der Realität geholt. Denn schließlich sollte die Reise ja in das Land unbegrenzter Möglichkeiten gehen. Daran wurde ich ständig von Kollegen, Freunden und Bekannten erinnert. Doch nach einigen Wochen hier bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es das Land der Gegensätze ist. Es gibt eine riesige Schere, die bis zum Anschlag geöffnet ist, zwischen Arm und Reich, ja. Aber genau so auch zwischen supersportlich und extrem übergewichtig. Zwischen hochmotivierten „Overachievern“ und scheinbar „faulen Nichtsnutzen“. Es gibt nach meinem persönlichen Eindruck nicht deutlich mehr oder weniger Möglichkeiten. Keiner stellt dir für deine Ideen unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung und schon gar nicht kommt jemand und bietet dir aufrichtig an, dich zu einem reichen, großen, starken, schnellen, gutaussehenden oder gut gekleideten Sportler, Geschäftsmann, Schauspieler oder Politiker zu machen. Was ist nun anders?

Egal was wir tun oder nicht tun, was wir wollen, uns wünschen oder wovon wir träumen. Alles beginnt damit, dass wir beginnen. Die damit zusammenhängenden Grenzen mögen zunächst einmal real sein, aber zuallererst existieren sie in unserem Kopf. Wir alle kennen Albert Einsteins bekanntes Zitat „Phantasie ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt, Phantasie aber umfasst die ganze Welt.“ Wenn ich mir also jeden Morgen sage: „Ich kann das nicht, das geht nicht, das wird niemals klappen, warum sollte ich gerade damit Erfolg haben.“ Dann stecken wir in unserer Phantasie in einer ganz kleinen imaginären Zelle, aus der uns niemand befreien wird. Was hat der einarmige Basketballer damit zu tun?

Wenn es im Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ nun nicht viel anders ist bei uns, warum gibt es dann so viele unglaubliche inspirierende Persönlichkeiten? Wie entstehen dann die wertvollsten und technologisch fortschrittlichsten Unternehmen alle in diesem Land? Warum dominieren die USA dann in der Welt in so vielen Bereichen wie Sport, Musik, Film oder Technologie? Die Antwort auf diese Frage ist meine persönliche Einschätzung und lautet wie folgt: Amerikaner denken weniger in Grenzen, aber mehr in Möglichkeiten. Zunächst einmal haben die Menschen ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, als vielleicht der durchschnittliche Deutsche. Sie finden sich selbst toll, Frauen betonen regelmäßig wie wunderschön sie sich finden und ich habe in meiner Zeit dort nie jemanden gehört, der etwas wie „Ich sehe nicht, dass das klappen könnte“ gesagt hat. Die Spitze dieses Eisbergs bildete folgende Geschichte:

Um mich während meines Forschungsaufenthalts fit zu halten, war ich Mitglied in einer Fitnesskette, deren Filiale, in der ich trainierte, gleichzeitig ein eigenes Schwimmbad und ein Basketballfeld hatte. Da ich liebte, aber schon Jahre nicht mehr gespielt hatte, trainierte ich also für mich allein meine Dribblings, Würfe etc., bis die spielenden Gruppen anfingen mich zu fragen, ob ich mitspielen würde. Und meine ersten Spiele waren grausam. Doch nicht, weil ich so schlecht gespielt hatte, sondern weil ich mich kaum getraut hatte zu spielen. Schließlich hatte ich jahrelang nicht mehr gespielt, konnte nicht so gut dribbeln oder werfen wie die anderen, sodass ich mich eher zurückhielt, was alle anderen langsam, aber sicher merken würden. Und obwohl ich deutlich weniger Fehler machte als andere, fühlte ich mich trotzdem schlecht. Gerade die, die die meisten Würfe vergaben, waren gleichzeitig diejenigen, die am meisten angepasst wurden und am Aktivsten am Spiel beteiligt waren. Ein Fehlversuch war also kein Beinbruch und ein Fehler nicht schlecht. Der Wille weiterzumachen, weiterzukämpfen, nicht aufzugeben und buchstäblich am Ball zu bleiben zählte. Nach einigen Wochen, in denen ich nun zurückhaltend an Wochenenden mitgespielt hatte, traf ich an einem Wochenende meinen Bekannten Jamaal dort, der mir sagte: „Wenn du heute mitspielst, musst du hart spielen Ali. Halt dich nicht zurück. Heute sind ein paar echt gute „Baller“ dabei. Spiel hart, entschuldige dich für nichts.“ Und während ich der noch spielenden Gruppe zusah, verschwand mein Selbstbewusstsein, bei dem Level, auf dem sie spielten Stück für Stück, bis zu jenem Moment. Es war mir gar nicht aufgefallen, weil ich nur nebenbei zuschaute, aber der schnellste Spieler, der gleichzeitig die meisten Würfe nahm und auch traf, bei jedem Angriff oder bei jeder Defensive vollen Einsatz zeigte und wie ein Wirbelsturm über den Platz fegte, hatte tatsächlich nur einen Arm. Und trotz seines „Handicaps“ war er allen anderen zum Teil überlegen, spielte mit Drehungen (Spins) und Tricks und ließ sich nicht mal die Herausforderung nehmen in manchen Angriffen allein gegen drei Gegenspieler loszulegen. Ich war schockiert und fasziniert zugleich. Dieser einarmige Mann stand da auf dem Platz und meckerte seine deutlich größeren und athletischeren Mitspieler an, warum sie nicht schneller und bissiger wären und dass er so viel allein machen musste. In den zehn Minuten, die ich dem einarmigen Basketballer zuschauen durfte, hatte ich mehr gelernt als in meinem ganzen Leben zuvor.

Nie mehr würde ich mich zurückhalten, weil ich nicht so viel Spielerfahrung hatte. Ob ich nun treffen würde oder nicht. Ob ich einen Fehler begehen und mich blamieren würde oder ob keiner mehr mit mir spielen wollen würde. Von da an sagte ich mir jede Minute auf dem Platz: „Gib alles und vergiss den Rest. Du kannst als Team verlieren, aber du verlierst nicht gegen dich selbst und deine negativen Gedanken.“ Und noch nie hatte ich so guten Basketball in meinem Leben gespielt.

Doch das reicht noch lange nicht. Egal wovon wir träumen, was wir uns wünschen oder was wir uns ersehnen. Im Grunde gibt es nur eine Grenze und das sind die Gesetze der Physik. Vielleicht können wir nicht 100 m weit springen, ein Auto mit 2000 km Reichweite bauen oder 12 Bücher an einem Tag lesen. Vielleicht können wir nicht mit 25 Jahren Millionäre werden oder nach drei Monaten Training aussehen wir Arnold. Aber all das zählt nicht. In einer seiner Interviews sagt der international bekannte Redner und Coach Jim Kwik sinngemäß: „It’s not about perfection, it’s about practice.“ Wir werden nicht von heute auf morgen perfekte Basketballer, Geschäftsleute, Schauspieler, allwissende Wissenschaftler, superreich, perfekt gekleidet oder unendlich beliebt. Was zählt sind jedoch nicht unsere persönlichen imaginären Hürden, zu wenig Geld, begrenzte Möglichkeiten oder der fehlende Arm, sondern der pure Wille egal was wir uns vorgenommen haben oder was wir gerade tun, jeden Tag ein bisschen schneller, stärker, netter, schlauer oder oder oder zu sein. Probiert es selbst. Seid für einen Tag der „einarmige Basketballer“ und denkt nicht in Grenzen oder Möglichkeiten und seht selbst, was sich für euch ergibt.

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