Blick in die Zukunft

In Europa etabliert sich eine neue Generation von Muslimen. Junge, motivierte und gebildete Menschen mit einer europäisch muslimischen Identität, die immer stärker am gesellschaftlichen Leben partizipieren und das gegenseitige Verständnis zwischen den Kulturen fördern. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Krisensituationen, die dem Image der Muslime schaden und die Beziehungen zwischen Muslimen und Ihrer Umgebung nachhaltig verschlechtern könnten. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Szenarien, die sich in den nächsten Jahrzehnten zwischen den beteiligten Parteien abspielen könnten.

Mehr als 50 Jahre ist es jetzt her, dass erste Arbeiter aus verschiedenen Ländern durch Anwerbeabkommen ihrer Staaten mit der Bundesrepublik nach Deutschland gekommen sind. Auch mit mehrheitlich islamisch geprägten Ländern, wie der Türkei, Marokko und Tunesien wurden solche Abkommen geschlossen. Allein aus der Türkei sind auf diese Weise seit dem 30. Oktober 1961 über 800.000 „Arbeitsmigranten“ nach Deutschland eingewandert. Mittlerweile sind die Enkelkinder der Arbeitergeneration in dem Alter, in dem ihre Großeltern nach Deutschland kamen. Die europäischen Länder, in denen sie leben, sind ihre Heimat, die jeweilige Landessprache beherrschen sie besser als ihre Muttersprache und das ursprüngliche Heimatland ihrer Großeltern ist oft nur noch ein sporadisch besuchter Urlaubsort geworden.

Szenario 1:

Ausgehend von der aktuellen Situation, den Krisenherden in Nahost und den vermehrten

Terroranschlägen in Europa, zu denen der Islam als Mittel der Rechtfertigung missbraucht wird, verschärft Deutschland seine Sicherheitsmaßnahmen und behandelt den Islam nur noch unter dem Aspekt der Risikobewertung, Gefahrenpotenzial und Einflussfaktor für Kriminalisierung. Muslime, die sich mittlerweile als fest etablierten Bestandteil der Gesellschaft sehen und fühlen und eine europäisch muslimische Identität entwickelt haben fühlen sich bedroht, angegriffen und ausgegrenzt. Frauen mit Kopftuch und Männer mit Bart werden nicht mehr als Muslime, sondern als potenzielle Terrorquelle betrachtet und nach einer von Terrorexperten erstellten Skala bezüglich ihres Gefahrenpotenzials eingestuft. Wöchentliche Razzien in Moscheen und Erfassung der Gemeindemitglieder gehören zur Tagesordnung. Reisende, die den Nahen Osten besucht haben, müssen sich einer gründlichen Überprüfung unterziehen und Anträge auf Reiseerlaubnis stellen. Hausdurchsuchungen benötigen keinen Durchsuchungsbeschluss mehr. Unter dem Deckmantel der Terrorfahndung ist es Ermittlungsbehörden erlaubt auf Verdacht jedes Haus zu stürmen und zu durchsuchen.

Muslime fühlen sich gezwungen ihre eigenen Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Jene mit einer weiterhin erhaltenen Verbundenheit zu ihrem Herkunftsland und der Möglichkeit dort durch ihre Ausbildung zu arbeiten, verlassen zu Tausenden Deutschland. In allen Bereichen der Wirtschaft, vor allem jedoch im Gesundheitssektor mangelt es an Fachkräften.

Muslime, ohne die Möglichkeit in ihre Herkunftsländer auszuwandern, ziehen sich zurück in Subgesellschaften. Aufgrund der verfehlten, unkontrollierten und unkoordinierten Flüchtlingspolitik 15 Jahre zuvor, ist eine Opfer des Syrien-Konflikts misslungen. Seit dem ersten Tag sind perspektivlose die Zielgruppe von organisierter Kriminalität und radikalen Islamisten, die diese für ihre Zwecke zu missbrauchen versuchen. Das Phänomen der Ghettoisierung ist nicht mehr nur in Großstädten wie Berlin, Köln oder Hamburg vorzufinden. In nahezu jeder Stadt bilden sich Viertel, in denen beinahe ausschließlich Muslime leben. Es gibt kein gesellschaftliches Zusammenleben mehr, keine Toleranz oder Akzeptanz. Das Leben ist geprägt von Misstrauen, Abneigung und Hass. Beide Seiten geben den jeweils anderen die Schuld für die derzeitige Situation. Parallel zur emotionalen Blockade zwischen Muslimen und ihren Mitmenschen gibt es auch wieder sprachliche Barrieren. Muslime sprechen nur noch rudimentär deutsch, ansonsten türkisch, arabisch, kurdisch usw. Aufgrund der räumlichen Trennung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen besuchen Schüler nur noch unterschiedliche Schulen. Immer weiter driften die Fronten auseinander, es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr. In den als „islamistische Viertel“ abgestempelten Stadtbezirken bilden sich eigene Gesellschaftsordnungen. Der Staat spart bei Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Sicherheit und medizinische Versorgung. Familienclans dominieren und terrorisieren ihren „Block“. Immer wieder werden aussichtslose Männer überredet Selbstmordanschläge in den besseren Stadtvierteln auszuüben. Als Gegenleistung versprechen radikale Gruppierungen ein besseres Leben für die Familie der Männer. Nach den Anschlägen jedoch, werden die Ehefrauen, wie Objekte, an radikale Prediger verkauft und mit diesen zwangsverheiratet. Sicherheitskräfte antworten mit der Verstärkung von , Überprüfung und massenhaften Festnahmen (Erste Vorschläge dieser Art gibt es bereits jetzt aus der Union). Auf diese Weise bildet sich eine Abwärtsspirale des Grauens, die ein friedliches Miteinander unmöglich erscheinen lässt. Die Gesellschaft ist gespalten und Deutschland ist gelähmt durch das „Problem“ mit den Muslimen. Anstatt in Forschung und Entwicklung zu investieren, für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt zu arbeiten und eine vorbildliche Vorreiterfunktion in Europa zu übernehmen, kämpft Deutschland mit einer gescheiterten Innenpolitik, für die es keine sinnvolle Lösung mehr zu geben scheint…

Szenario 2:

Politik und islamische Verbände zeigten in der Vergangenheit Annäherungen. Islamische Gemeinschaften wurden als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt. Der Islam wird als Religionsunterricht an deutschen Schulen angeboten. Muslime öffnen ihre Moscheen deutlich stärker für Nicht-Muslime, um jahrzehntelange Missverständnisse aus dem Weg und Raum für mehr gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Gleichzeitig unterstützen islamische Verbände staatliche Institutionen dabei nachhaltige Projekte und Programme gegen die Radikalisierung von Muslimen zu etablieren. Muslimische, christliche und jüdische Organisationen und Dachverbände arbeiten gemeinsam an der Lösung von gesellschaftlichen Problemen, indem sie durch die Gemeinsamkeiten der Religionen ihre Anhänger und somit das volle Potzenzial aller mobilisieren. Es gibt gemeinsame Kampagnen gegen Armut in Deutschland, man arbeitet an gemeinsamen Bildungsprojekten für sozial Benachteiligte und unterstützt die Politik bei der Integration von Flüchtlingen, sowie Jugendämter bei der Betreuung von Waisenkindern. Die Politik erkennt an, dass in Europa lebende Muslime sich in erster Instanz europäisch fühlen und nicht mehr türkisch oder arabisch etc. Muslime entwickeln über die Jahrzehnte eine völlig neue Identität. Einen islamischen Lifestyle in Europa, ohne sich von „politischen Einflüssen“ aus dem Ausland beeinflussen zu lassen. Sie erteilen Radikalisten in zahlreichen Kampagnen und nachhaltigen Präventionsprojekten eine Absage.

[otw_shortcode_info_box border_type=“bordered“ border_style=“bordered“ rounded_corners=“rounded-10″ border_color=“#009e95″]Bald steht es kaum mehr zur Debatte, ob ein Mensch Muslim, Christ, Jude oder anderweitig gläubig ist. Alle beteiligten Parteien haben gelernt zu leben und leben zu lassen.[/otw_shortcode_info_box]

Während Muslime es geschafft haben radikales Gedankengut in ihren Reihen im Keim zu ersticken, hat der Staat seine Unterstützung für Erasmus ähnliche Programme bereits für Schüler verstärkt, um den neuen Generationen zu lehren, dass Europa nur mit allen Menschen funktioniert. Die Idee, dass jeder Mensch in der Gesellschaft wie ein Glied einer Kette seine Notwendigkeit hat, nimmt seinen Platz in den Köpfen junger Menschen ein und hinterlässt keinem Freiraum für faschistisches Gedankengut…

Was für ein verlockendes Szenario. Verlockend genug, um dafür einzustehen? Entscheidet selbst.


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