Gebt euer Geld aus

Wer träumt heutzutage nicht davon oder fantasiert zumindest manchmal darüber – reich sein! Mit einem Mercedes Benz AMG oder Bentley Continental GT durch über die Autobahn düsen. In einer großen Villa mit Pool, Jacuzzi, Sauna und riesigem Garten leben. Mit einer Jacht durch das Mittelmeer fahren und mit Jetskis zu Inseln düsen. Frei leben und am besten nie wieder Gedanken um machen, stattdessen es einfach ausgeben. Wie schön das wäre. Warum vielleicht nicht, gibt es hier zu lesen.

Genau da liegt das Problem der Mittel- und Unterschicht; oder einfach gesagt uns „einfachen“ Menschen. Denn bis auf einige Ausnahmen machen sich die Reichen und Superreichen enorm viel Gedanken um ihr Geld und geben dieses nicht unüberlegt und schon gar nicht „grenzenlos“ aus. Denn wenn sie das täten, wären sie, auch hier bis auf einige Ausnahmen, vermutlich nie dort angekommen, wo sie jetzt sind. Was das für uns bedeutet, die erst neu im Berufsleben stehen und/oder niemals sechsstellige Summen verdienen werden und was wir dagegen tun können und sollten, folgt jetzt.

Besonders in den letzten Jahren haben sich signifikante Teile der Welt zu einer Konsumgesellschaft entwickelt oder noch weiter hineingesteigert. Aus meiner Sicht stechen hier besonders mittlerweile alltägliche Dinge aus der Konsumelektronik hervor. Das heißt Hersteller von iPhone, iPad, Macbook, Galaxy, Mate Pro, GoPro, DJI Drohnen und Co schaffen es immer wieder unser Interesse und Verlangen so sehr anzusprechen, dass wir Jahr für Jahr immer tiefer in unsere Taschen greifen, um uns das neueste XR, XS, Pro, die Hero 5 und so weiter zu kaufen. Doch Elektronikgeräte sind nur ein Symptom des Problems. So wie Bauchschmerzen nur ein Symptom für einen geplatzten Blinddarm sind. Gleichzeitig ist die Konsumelektronik nur ein Teil unseres finanziellen Alltags, den wir falsch angehen.

Schaut man sich unser Verhältnis zu Geld an, lassen sich kurz gesagt folgende Dinge zusammengefasst feststellen (Dingen, die ich in den letzten Monaten aus Büchern, Videos, Tutorials und eigenen Erkenntnisse):

  1. Wir tauschen unsere gegen Geld ein. Das heißt unser entspricht in der Regel dem Produkt aus Zeit und Fähigkeiten. Da unsere Zeit und auch unsere technischen oder fachlichen Fähigkeiten begrenzt sind, haben wir nur stark limitierte Möglichkeiten unsere Einnahmen zu steigern. D.h. Wir arbeiten für Geld.
  2. In der Regel steigen und fallen unsere Ausgaben mit unseren Einnahmen. D.h. Sobald wir nach dem Studium oder der Ausbildung beginnen Geld zu verdienen „hauen wir erstmal auf den Putz“ oder „gönnen“ erst einmal einigen Luxus. Ein Ingenieur verdient beispielsweise zwischen 50.000 und 60.000 Euro Einstiegsgehalt pro Jahr. Verglichen zu einigen hundert Euro Bafög gibt es natürlich deutlich mehr Möglichkeiten Geld auszugeben und den Lebensstandard zu steigern.
  3. Mit steigenden Einnahmen erhöhen wir unsere Fixkosten. Amazon Prime? Auf jeden Fall. Netflix? Dringend notwendig. Sky? Hallo?! Ohne Fußball geht’s nun mal nicht. Fitnessstudio Elite Mitgliedschaft? Wenn, dann bitte richtig. C-Klasse Leasingvertrag? Dafür arbeiten wir ja schließlich. 1000 Euro Kaltmiete in Stuttgart, Berlin, Hamburg oder Köln? Es geht halt nicht anders. Schließlich wollen wir ja nichts verpassen. Telekom oder Vodafone Business Tarif inklusive iPhone XS und iPad Pro für 75 Euro im Monat? Klar, unter 15 GB LTE Vertrag geht doch heute nichts mehr.
  4. Bleibt dann noch etwas übrig, müssen wir natürlich regelmäßig in Restaurants, Bars oder Shisha Bars ausgehen. Und das oft mindestens einmal die Woche.
  5. Zwei Mal im Jahr Urlaub? All Inclusive, 5 Sterne, 1000 Euro pro Person.
  6. Spätestens hier wird es dann langsam knapp, denn es kommen ja noch etliche Dinge wie Strom, Wasser, Gas, Internet und andere Nebenkosten sowie Einkauf, Sprit, Wartungsarbeiten am Auto, Versicherungen, GEZ und eventuell irgendwann die Bafög Raten dazu.

Wenn wir nach all diesen Ausgaben noch bei plus minus Null sind, dann haben wir vermutlich großes Glück und einen Arbeitgeber aus einer gut bezahlenden Branche. Gefährlich wird es jedoch ab hier. Denn für Extraausgaben ist schlicht kein Budget mehr gegeben. Da wir jedoch in unserer hier, jetzt und heute Welt und in Zeiten von Same Day Delivery und Expressversand leben, in einem Zeitalter, in dem scheinbar alles zu jeder Zeit und sofort verfügbar ist und in der wir zu 0% Zins finanzieren oder 14 Tage später zahlen können, erscheint es uns unerträglich nicht auf die Buy, Order, Einkaufswagen oder Einkaufszettel Buttons zu klicken. Und damit hätten wir die Schwelle erreicht, an der unsere finanzielle Unwissenheit zur Schuldenfalle werden kann und gutverdienende, scheinbar gut ausgebildete Menschen unter der Last ihrer finanziellen Lasten erdrückt werden. Aber gut ausgebildet heißt nicht gleich gut gebildet – schon gar nicht finanziell. Ab hier gibt es zwei Möglichkeiten. Die Abwärtsspirale in der Schuldenfalle oder massive Abstriche bei diversen Lebensbereichen. Hier ein zwei Beispiele wie derartige Situationen enden können:

Mein Auto – Das Wohnzimmer

In unserer Heimatregion gibt es eine mehrköpfige Familie, die mir bekannt ist, in der der Familienvater einen 70.000 Euro teuren Mercedes Benz E63 AMG fährt. Gleichzeitig wohnt die gesamte Familie jedoch in einer Einzimmerwohnung mit integrierter Küche in einem der ärmsten Viertel der entsprechenden Stadt. Denn bei täglicher Benutzung verbraucht ein entsprechendes Auto monatlich mit Sicherheit mehr Super Plus als für die Kaltmiete einer einfachen Dreizimmerwohnung notwendig wäre.

Die Bank – Mein bester Freund

In meiner Umgebung gibt es eine Familie, die nichts, wirklich überhaupt nichts, nicht auf Basis eines Kredits finanziert. Klar, kaum einer kann ein Haus auf einen Schlag abbezahlen. Aber wenn die Rate so niedrig ist, dass man die ersten 3-4 Jahre nur den Zinseszins abbezahlt und dann für weitere 35 Jahre zahlen muss, läuft aus meiner persönlichen Sicht etwas falsch. Damit nicht genug, finanziert diese Familie ihr Auto, ihre Küche, alle Möbel, Handys, Tablets und im Grunde jede „größere“ Anschaffung im Wert von einigen hundert Euro mit Krediten, sodass ich mich manchmal Frage, wie sie bei all den monatlichen Raten noch Geld zum regelmäßigen Ausgehen und Essen gehen mit der Familie finden oder ob sie überhaupt noch einen Überblick über all die zu zahlenden Raten und Kredite haben.

Wie sich aus meinem Beitrag erkennen lässt, sind handelt es sich bei diesen privaten finanziellen Kartenhäusern um keine besonders stabilen Konstruktionen. Der kleinste Wind, wie zum Beispiel eine größere Reparatur am eigenen Haus oder ein weiteres Kind oder ein Unfall mit der „wertvollsten Investition“ des Lebens, dem AMG, könnte das ganze Gerüst zusammenbrechen lassen. Die fundamentale Erkenntnis, die sich aus all den erwähnten Aspekten in diesem Beitrag ziehen lässt ist folgende: In der extrem schnelllebigen und konsumorientierten Welt, in der wir heute Leben, trachten wir danach mit unseren begrenzten Möglichkeiten auf den scheinbar schnellsten und einfachsten Wegen dem Schein und Glanz der ganz „Großen“ dieser Welt zu folgen. Während wir versuchen uns mit materiellen Steroidspritzen einmal super cool oder wie die Reichen zu fühlen, merken wir nicht, dass wir geradezu in unseren finanziellen Abgrund laufen. Wer jetzt nachdenklich geworden ist und schlauer mit seinem Geld umgehen möchte, findet ein paar Tipps im zweiten Teil – Spart euer Geld jetzt.

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