Integration durch Wissenschaft

Aufgrund des Flüchtlingsstroms wird nicht nur über Aufnahmekapazitäten, und Grenzschließungen etc., sondern auch über die debattiert. Während manche Politiker der Illusion hinterherhecheln Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer oder in die Türkei zu schicken, fordert die immer lauter eine Vereinfachung der Regularien. Ein neuer Ansatz

Es scheint zwei Strömungen in der Flüchtlingsdebatte zu geben. Deren Vertreter sind unter anderem CSU, AfD, Pegida und Co, die mit allen Mitteln und Wegen Stimmung gegen Flüchtlinge und die Flüchtlingspolitik der (eigenen) Regierung machen und Angela Merkel (steht nicht stellvertretend für die gesamte CDU), SPD und einige Wirtschaftsvertreter, die versuchen produktivere Ansätze zu schaffen. Besonders die CEOs großer Konzerne wie Matthias Müller (ehemals AG, jetzt VW AG), Klaus Engel ( Industries AG) und Dieter Zetsche ( AG) fordern immer deutlicher eine Aufhebung bestimmter Einschränkungen, um Flüchtlinge schneller und besser in ihre Unternehmen aufnehmen zu können. [1]

Diese Forderung ist unter Umständen berechtigt, wenn man bedenkt, dass in Deutschland derzeit bis zu 40.000 Lehrstellen unbesetzt sind. [2] Das Problem ist so groß, dass manche Betriebe die Ausbildung junger Leute komplett einstellen mussten. Laut Zetsche könnte die Flüchtlingswelle Grund für ein neues „Wirtschaftswunder“ sein. Die Haltung mancher Konzernlenker und die Arbeitsmarktsituation geben Grund zur Hoffnung. Es ist ein Lichtblick in dem dunklen Bild, das manch Politiker mit seiner Schwarzmalerei gerne zeichnet.

Doch sollte man es nicht bei dem Versuch belassen, das deutsche Wirtschaftswunder der 60er Jahre in einer neuen Version zu wiederholen [3], denn dieses Mal sind es nicht die einfachen „Gastarbeiter“ vom Land, die nach Deutschland kommen. Es sind junge, motivierte teilweise gut ausgebildete Menschen, die alles zurückgelassen haben und ein neues Leben in Deutschland beginnen müssen.

Die große Flut an neuen Menschen bringt nicht nur enorme Herausforderungen mit sich, nein mit ihnen kommt auch eine große Quelle an kultureller, religiöser und wissenschaftlicher Vielfalt. Die Frage ist nur, ob man sich in Deutschland dazu entschließt aus dieser Quelle zu schöpfen oder nicht. An dieser Stelle soll gesagt sein, dass ich einen solchen Schritt begrüßen würde, denn nicht selten hat ein gemeinsames Ziel oder die Bearbeitung eines Problems aus individuellen Wissenschaftlern, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion, eine große Gemeinschaft geformt. Nehmen wir ein Beispiel aus der :

Wir alle kennen den Satz von Pythagoras: a2 + b2 = c2

Verändert man diese Formel nur minimal wie z.B. : a3 + b3 = coder a4 + b4 = c4, so ergibt sich das größte mathematische Problem, das die Menschheit jemals bewegt hat. Denn es ist unmöglich eine Zahlenkombination zu finden, die diese Gleichung (oder irgendeine beliebige dieser Form mit einer Potenz höher zwei) erfüllt.

Pierre de erregte im 17. Jahrhundert mit einer kleinen Notiz zu diesem Thema, die nach seinem Tod publiziert wurde, das erste Mal die Aufmerksamkeit der Mathematikergemeinschaft. Es dauerte etwa 300 Jahre und forderte unter Anderem das Leben einiger Mathematiker, die an dem Problem gescheitert waren und ihrem „Elend“ durch Suizid ein Ende bereiteten, bis Andrew Miles, ein britischer Mathematiker und Professor in Princeton, das Problem endgültig lösen konnte.

Um das Problem von Fermats Großem Satz bildete sich eine internationale Gemeinde von Zahlentheoretikern, von denen einige einen Beitrag zur Lösung leisteten. Natürlich war es ’ außerordentlicher Verdienst diesen Beweis innerhalb von 7-8 Jahren in völliger Isolation zu führen, doch basierten seine Arbeiten teilweise auf den Leistungen Anderer, die zuvor auf dem Gebiet der Zahlentheorie gearbeitet hatten. Eine besondere Rolle spielten in diesem Zusammenhang zum Beispiel die zwei japanischen Mathematiker Yutaka Taniyama und Gorō Shimura und ihre Taniyama-Shimura-Vermutung, durch deren Beweis auch Fermats Großer Satz bewiesen werden konnte. Es war nicht mehr von Bedeutung welche Nationalität oder Religion die Wissenschaftler hatten. Nur einen Fortschritt in der Lösung des Problems zu erlangen, hatte Relevanz.

Dieses so ereignisreiche Beispiel aus der Mathematik sollte uns lehren, dass der Mensch, egal ob Flüchtling, Asylant oder Bürger nicht zum Problem gemacht werden sollte. Vielmehr sollte ihm/ihr die Möglichkeit gegeben werden an der Lösung viel größerer Probleme zu arbeiten. Auf diese Weise wird der Flüchtlingsstrom von einer zu bewältigenden Herausforderung zu einer Ressource zur Überwältigung einer Vielzahl von Schwierigkeiten in der Welt.

Aber warum sollten gerade die derzeit ankommenden oder bereits in Deutschland lebenden Flüchtlinge geeignet für diese Idee sein? Viele der Flüchtlinge sind junge praktizierende Muslime. Wenn wir es also schaffen, ihnen ihre Identität zu lassen und sie zu akzeptieren wie sie sind, so werden diese sich immer an folgende Forderungen Gottes im heiligen Koran erinnern:

„Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf, Erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! denn dein Herr ist der Allgütige, Der (den Menschen) lehrte durch die Feder, Den Menschen lehrte, was er nicht wußte.“ (Alaq: 91:1-5)

Dieser Vers ist der erste, der herabgesandt wurde und vedeutlicht (im Arabischen noch besser) wie wichtig es ist, dass Menschen ihr Wissen mehren sollten. Vielfach ist im Koran auch von Zeichen die Rede, die durch die Nutzung des Verstands erkannt werden können. So zum Beispiel:

„Allah hat Wasser vom Himmel hernieder gesandt und damit die Erde belebt nach ihrem Tod. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für Leute, die hören mögen. Wahrlich, auch am Vieh habt ihr eine Lehre. Wir geben euch zu trinken von dem, was in ihren Leibern ist, zwischen Kot und Blut in der Mitte, Milch, lauter (und) angenehm denen, die trinken. Und von den Früchten der Dattelpalmen und den Trauben, von denen ihr berauschenden Trank und (auch) bekömmliche Nahrung zieht. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für Leute, die vom Verstand Gebrauch machen. Und dein Herr hat der Biene eingegeben: «Baue dir Häuser in den Bergen und in den Bäumen und in den Spalieren, die sie errichten. Dann iß von allen Früchten und folge den Wegen deines Herrn, (die dir) leicht gemacht.» Aus ihren Leibern kommt ein Trank, mannigfach an Farbe. Darin ist Heilung für die Menschen. Wahrlich, hierin ist ein Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (Nahl: 16:65-69)

Muslime sind dazu angehalten, die Natur und ihre Phänomene zu beobachten und zu versuchen sie zu verstehen. Geben wir ihnen also die Möglichkeit den Islam zu leben, ihre Identität zu behalten und bieten eine Plattform, auf der sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten stärken können, so können wir in Zukunft von ihnen fordern uns bei der Lösung wissenschaftlicher Problemstellung zu helfen und somit ihren Platz in den Reihen der Gesellschaft einzunehmen.

Sie sind nicht länger ein Problem für Deutschland, sondern Teil der Lösung globaler Herausforderungen. Eine schöne Vorstellung. Es liegt an uns, diese zu realisieren. Genügend Ziele, die es in Zukunft zu erreichen gilt, gibt es allemal. Ein kurzer gedanklicher Ausflug lässt mich beispielsweise an folgende Themen denken:

Aidsforschung, neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte, Erneuerbare Energien, Recycling unserer Ressourcen, Agrarfoschung, Klimawandel und Erderwärmung, neue Nachhaltigkeitskonzepte und und und. Bedarf an Brainpower gibt es also mehr als genug. Im Gegensatz zur Lösung von Fermats Problem braucht sich aber nicht zwangsläufig eine internationale Allianz von Wissenschaftlern zur Bearbeitung mancher Themen formen, denn eine solche klopft unter Umständen momentan an unseren Türen. Damit fordere ich nicht, dass Deutschland sich wissenschaftlich isolieren soll, ganz im Gegenteil, aber das intellektuelle Potenzial unseres Landes könnte durch die neue Situation bei weitem verbessert werden.


[1] http://www.focus.de/finanzen/news/sie-sind-hoch-motiviert-daimler-chef-zetsche-fluechtlingswelle-koennte-neues-wirtschaftswunder-ausloesen_id_4946873.html

[2] http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/iaa/daimler-chef-zetsche-fluechtlinge-koennten-neues-wirtschaftswunder-ausloesen-13803671.html

[3] http://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/wirtschaftswunder/index.html


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