No Gos deiner Bachelorarbeit

Jeder von uns, der die Universität besucht und erfolgreich abschließen will, muss mindestens einmal die „Qualen“ des wissenschaftlichen Schreibens ertragen, um zumindest eine akzeptable oder gar zahlreiche Hausarbeiten zu verfassen. Schauen wir uns das Problem mal genauer an

Wie in fast jeder Branche, jedem Fachgebiet oder jeder Industrie gibt es in der Wissenschaft und Forschung gängige Methoden oder oder sogenannte Tools. Diese können tatsächlich physisch existentes Equipment sein – zum Beispiel Analysegeräte. Gleichzeitig gibt es aber auch nicht physisch existente Tools in der Wissenschaft, die mindestens genauso wichtig sind. Wissenschaftlich zu schreiben, sich also an ein Regelwerk zu halten, das innerhalb eines bestimmten Fachgebiets allgemein akzeptiert ist, ist von fundamentaler Bedeutung für den Fortschritt in jedem Forschungsgebiet. Denn Menschen kommen und gehen, aber das geschriebene Wort bleibt. Und damit jeder Leser die dokumentierten Aufzeichnungen von Vorgängern oder Wissenschaftlern anderer Institutionen oder gar Ländern verstehen kann, müssen sich alle Autoren auf eine einheitliche Vorgehensweise einigen können, um einen über Jahrzehnte verständlichen Informationspool aufzubauen. Trotz dieses Verständnisses fällt es vielen von uns schwer, sich auf dieses Regelwerk einzulassen. Dabei sind die allgemeinen Regeln zum wissenschaftlichen Schreiben, unabhängig vom Fachgebiet, gar nicht so schwierig umzusetzen. Einfach gesagt, lässt es sich wie ein Dialekt oder zum Beispiel eine andere Form der ausdrücken. Hier also ein paar einfache Regeln zum besseren wissenschaftlichen Schreiben:

Viele StudentInnen müssen während der Bachelorarbeit das erste Mal eine wissenschaftliche Arbeit schreiben. Entsprechend fällt es ihnen schwer sich von der Ich-Perspektive zu trennen. Die, die es schaffen, nutzen oft „man“ als Alternative. In diesem Zusammenhang ist zu empfehlen das „Ich“vollständig zu vermeiden. Es gibt Fälle, in denen es angewandt werden könnte, doch liest man im Grunde in keiner guten wissenschaftlichen Arbeit etwas von „ich“oder „wir“. Der richtige Weg wären Passiv-Konstruktionen:

„Ich habe 3 g Probe entnommen, um diese zu analysieren.“

„Für eine Analyse wurden 3 g Probe entnommen.“

Hat man sich einmal daran gewöhnt, lässtsich der Text fast wie von selbst schreiben. Damit wird der Fokus ausschließlich auf die Sache, das Experiment oder die Untersuchung selbst gerückt. Die dahinterstehenden Personen sind in diesem Zusammenhang zweitrangig.

Wissenschaftliche Texte werden üblicherweise im Präsens formuliert. Es geht nicht im Einzelnen darum, was gemacht wurde, sondern um eine Beschreibung einer reproduzierbaren Prozedur, die nicht einmalig erfolgt, sondern immer wiederholt werden kann. Deshalb schreibt man beispielsweise nicht „Nach der Probenahme wurden die Proben analysiert“, sondern „Nach der Probenahme werden die Proben analysiert“.

In vielen Fällen neigen wir dazu die Wichtigkeit eines Forschungsgebiets, der eigenen Arbeit oder eine Methode mit persönlichen Aspekten zu begründen. Das mag uns relevant erscheinen, doch aus wissenschaftlicher Perspektive ist es wichtig auf Sachebene argumentieren zu können. Warum ist diese Forschungsarbeit wichtig für das entsprechende Fachgebiet? Wie steigert eine bestimmte Rechenmethode die Qualität unserer Ergebnisse? Zu welchen Fortschritten führen die durchgeführten Experimente? Diese Art von Fragen sollten im Vordergrund stehen. Unsere persönlichen Ambitionen müssen wir in diesem Zusammenhang in den Hintergrund stellen.

Manchmal neigen wir dazu bestimmte Sachverhalte unnötig in die Länge zu ziehen. Manchmal versuchen wir gar einfach nur Zeilen und Seiten zu füllen. Damit ist keinem geholfen. Weder uns als Autoren noch den Gutachtern oder interessierten Lesern. In unsere wissenschaftliche Arbeit gehört genau so viel hinein, dass alle Sachverhalte verstanden werden können, aber die Leser nicht in unnötigen Details erstickt werden. Beispielsweise ist es wichtig, dass ihr bei einer repräsentativen Umfrage die genaue Zusammensetzung der befragten Gruppe angebt, doch ist es unter Umständen weniger relevant, ob es Kekse und Tee während der Umfrage gab. Dieser Umstand beinhaltet auch die Voraussetzung, dass möglichst gut strukturierte, verständliche und bei Möglichkeit einfache Satzstrukturen gewählt werden (Dieser Satz ist hier ein gutes Negativbeispiel). Verschachtelte Bandwurmsätze, mit zahlreichen Nebensatzkonstruktionen können ein Abbild unserer Gedankenstruktur sein. Ist unser eigenes Verständnis nicht ausgereift oder unsere Gedankengänge nicht sauber geordnet, kann das zu unverständlichen Satzkonstruktionen führen.

Jedes Fachgebiet hat eine Reihe von Fachwörtern. Manchmal tendieren wir dazu diese nicht zu nutzen, weil wir durch ihre scheinbare Komplexität abgeschreckt werden und manchmal kommt es vor, dass Fachwörter etwas zu stark eingespannt werden, sodass die Gesamtheit des Textes nicht mehr verständlich ist. Fachwörter sollten immer dann genutzt werden, wenn diese notwendig und für den Sachverhalt passend sind. Gleichzeitig müssen manche Fach- oder Fremdwörter, abhängig von der Leserzielgruppe, kurz und nachvollziehbar in die Thematik eingeführt werden, um die Verständlichkeit des gesamten Textes nicht zu gefährden. In jedem Fall ist eine präzise Formulierung mit oder ohne Fachwörter dringend notwendig, um Missverständnisse oder Fragezeichen zu vermeiden. Weiterhin kommt es oft vor, dass Autoren ihre Vorgehensweisen, Methoden oder experimentellen Prozeduren mit Begriffen wie zum Beispiel „bisschen, schnell, kurz, warm, genau, einige“ beschreiben. Das sollte für eine wissenschaftliche Arbeit tabu sein. Als Kontrolle kann hierbei immer folgende Frage dienen: „Könnte eine fremde Person mit Hilfe meiner Beschreibung mein Experiment oder meine Befragung oder Auswertemethode ebenfalls genauso durchführen?“

Einer der auffälligsten, aber auch amüsantesten Fehler in einer Arbeit ist die Vermenschlichung von Objekten. Atome, Moleküle, Maschinen oder Computer haben keinen eigenen Willen. Wenn etwas mit ihnen passiert, dann aufgrund von Naturgesetzen oder weil wir sie bedient, programmiert oder kontrolliert haben. Mikroorganismen „gehen“ nicht dorthin, wo sie gut überleben können. Nein, diejenigen, die günstigen Bedingungen ausgesetzt sind, überleben. Die anderen nicht. Genauso „möchte“ein Computer keine Berechnungen oder Simulationen durchführen. Er tut es, weil wir den entsprechenden Befehl dazu erteilt haben. Hier ist es wichtig auf eine korrekte Wortwahl für eine saubere Formulierung zu achten.

Umgangssprache

…ist eines der größten Probleme beim Schreiben. Hier ein Beispiel, das ich einmal während einer meiner Lektorate gelesen habe: „Die Eltern und die Erzieher/Erzieherin des Kindes sollten zusammen ein Gespräch führen, wenn sie merken, okay das Kind braucht ein schubscher es kann es nicht allein hinkriegen bzw. ist sehr unmotiviert.“ Diese Art von Sprache gehört nicht in eine wissenschaftliche Arbeit. Gesprochene (Umgangs-)Sprache hat, außer vielleicht bei direkten Zitaten, nichts in der eigenen Thesis zu suchen.

Nachdem wir in diesem Artikel erörtert haben, was man nicht tun sollte, folgen im kommenden Artikel ein paar Tipps zum besseren wissenschaftlichen Schreiben.


Notiz. Alle hier erläuterten Aspekte stammen aus Erfahrungen, die sich aus Lektoraten diverser Arbeiten ergeben haben und aus besuchten Seminaren. Bei Bedarf zur weiterführenden Literatur einfach eine Mail schreiben.

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