Sinnloser (Valentins-)Tag

In ein paar Tagen ist es wieder soweit. Am 14. Februar werden sich wieder Millionen Menschen auf der Welt Blumen, Schokolade, Schlüssel oder Ringe überreichen, die als Symbol ihrer Liebe den gegenüber an genau diese erinnern oder diese festigen sollen. Hier meine bescheidene Meinung zu diesem Irrsin und ein guter Rat für alle

Alle feiern ihn und keiner weiß warum. Alle überlegen sich, was sie kaufen, wie sie es verstecken und was der Partner sich wünschen könnte. Die Erwartungen sind unter Umständen groß und so dann auch die Enttäuschung (eventuell vorrangig bei Frauen), wenn sich ihre Partner nicht ausreichend Mühe gegeben haben. Aber warum? Schauen wir uns die Hintergründe an. Vermutlich weiß kaum jemand, was es mit dem auf sich hat und ich bin lieber ehrlich. Es brauchte nicht viel Recherche um folgendes sagen zu können:

Der Valentinstag ist weder der Geburts- oder Todestag von dem „Valentin“ oder dem einen „Valentinus“. Auch wenn meine Recherchen darüber hinaus gingen, reicht ein einfacher Blick bei Wikipedia, um zu verstehen, dass die Entstehung des Valentinstags vermutlich das Resultat eines Zusammenspiels mehrerer geschichtlicher Ereignisse in der christlichen Welt ist, bei dem jeweils eine Person namens „Valentin“ oder „Valentinus“ beteiligt war. Das könnte der Tod des heiligen Valentin aus Rom sein, der Soldaten traute, denen es verboten war zu heiraten. Es könnte aber auch Valentin sein, der an einem 14. Februar mit seinen Gefährten in Afrika starb. Unabhängig von der Person handelt es sich um den Todestag eines Valentins, den verschiedene Kirchen zum Anlass nahmen Gottesdienste zur Segnung von Ehepaaren abzuhalten. Soweit so gut. Nicht, dass ich etwas gegen die christliche Kirche, Gottesdienste oder die Segnung von Ehepaaren habe, aber warum sollten sich Menschen heute der kommerzialisierten Version eines Tages der Liebe hingeben, der ursprünglich einen spirituellen Charakter hatte? Hier muss ich die Kirchen sogar in Schutz nehmen. Aus meiner Sicht ist es das gleiche Elend, wie an Weihnachten oder Ostern. Ein offensichtlich wichtiger Tag in der christlichen Welt wird durch zahlreiche Industrien und Märkte dafür genutzt Kommerz und Profit voranzutreiben. Es geht sogar soweit, dass Werbeagenturen damit werben Verkaufsstrategien für den Valentinstag zu optimieren, da beispielsweise der Umsatz von Blumen und Geschenken um bis zu 400% steigen kann. Aber jede gute Kritik sollte aus meiner Sicht mit ebenso guten Verbesserungsvorschlägen ausgestattet sein. Denn meckern kann schließlich jeder. All diese Gedanken sind erst entstanden als mich eine gemeinsame Freundin darauf angesprochen hat, ob ich schon ein Geschenk zum Valentinstag für meine Frau gekauft hätte, woraufhin ich mit  „Nein“ entgegnete und mit Entrüstung und 1000 Ratschlägen konfrontiert war. Also hier meine Meinung:

Warum auf den Valentinstag warten? Vielleicht habe ich heute, gerade jetzt, einen besonderen Moment oder einen sehr guten Tag mit meiner Frau oder Familie – einen Tag X sozusagen. Vielleicht erleben wir im März, April oder Mai etwas besonders Prägendes. Vielleicht hatte ich gerade letzte Woche das Gefühl meiner Frau oder Familie eine Freude machen zu wollen. Warum also auf einen Tag warten, der für mich oder uns persönlich keinerlei Bedeutung hat? Warum nicht eigene besondere Tage erleben oder in Erinnerung halten? Viele Frauen mögen Blumen, und ich nehme einfach mal an, dass ebenso viele besonders gerne Rosen mögen. Warum sollte man diese Freude, die die Partnerin erlebt, wenn sie mit Blumen, Schokolade oder Ringen beschenkt wird also auf ein oder zwei Tage im Jahr beschränken, an denen dann für den gleichen Strauß den zwei- bis dreifachen Preis zahlt. Viel wichtiger ist doch die Regelmäßigkeit mit der man sich gegenseitig eine Freude bereitet. Die Größe, das Event, die Marke oder der Preis zählt doch im Grunde nicht. Familienmitglieder oder wahre Freunde freuen sich in der Regel auch über Kleinigkeiten, weil an einen gedacht wurde – und das ist meiner Meinung nach was zählt.

Dieses Prinzip lässt sich auf das ganze Jahr anwenden und sogar noch erweitern. Ich habe es noch nie geschafft das Geburtstagsgeschenk meiner Frau bis zum eigentlichen Tag geheim zu halten. Viele sagen, dass damit die Überraschung versaut wird, aber warum eigentlich? Ich freue mich so sehr, weil ich weiß, dass sie sich freut, sodass ich es kaum aushalte es ihr nicht zu zeigen oder direkt zu geben. Wenn man gerade das Gefühl hat etwas JETZT zu tun, um einen anderen Menschen zu erfreuen, warum warten? Ein Tag ist ein Eintrag in einem Kalender, einem menschlichen Konstrukt. Es gibt 365 davon im Jahr. Jeder ist wie der andere. Stellt euch vor es gäbe keine Kalender. Würdet ihr dann nicht auf euren inneren Kalender oder euer inneres Gefühl hören? Bestimmt. Eine etwas andere Form des Pragmatismus praktizieren Menschen in einigen asiatischen Ländern, in dem sie sich an besonderen Tagen ganz einfach gegenseitig mit Geld beschenken. Das ist zwar sogar für meinen Geschmack etwas sehr pragmatisch, aber hier kann man sich etwas abgucken. Es kann schon eine riesige Qual oder aber ziemlich teuer werden das „richtige“ oder „perfekte“ Geschenk zu finden. Man fragt Eltern, Freunde, Freundinnen, Geschwister, Nachbarn, Arbeitskollegen etc. der zu beschenkenden Person, aber warum fragt man nicht die Person, die das Geschenk erhalten soll? Unsere gemeinsame Freundin sagte dazu: „So ist es aber spannender.“ Das stimmt. Aber ist es nicht auch enttäuschender, wenn eine riesige Spannung aufgebaut wird, um dann enttäuscht zu werden, weil man etwas ganz anderes erwartet hat? Ist es dann nicht besser, zum Beispiel etwas Kleines zu bekommen, das man sich wirklich gewünscht hat und sich wahrhaftig freuen zu können? Das ist sicherlich individuelle Ansichtssache.

Dieser kurze Aufsatz, der mit dem Valentinstag begonnen und mit Geburtstagen geendet hat, soll im Grunde nur eines sagen: Lasst euch nicht von Kalendereinträgen, Todes- oder Geburtstagen von wildfremden Menschen, die vor hunderten von Jahren gelebt haben, oder grundsätzlich von anderen Menschen sagen, wie, wann und warum ihr euren Familien eine Freude zu machen habt. Wenn ihr das Gefühl habt etwas tun zu wollen, dann tut es. Wenn ihr wisst, dass sich eure Ehefrauen oder -männer etwas wünschen, dann erfüllt diesen Wunsch doch, ohne auf einen scheinbar besonderen Tag im Kalender warten zu müssen. Ihr bestimmt euer Leben. Zumindest solltet ihr das. Denn meiner Meinung nach bedeutet Selbstbestimmung auch Selbsterfüllung. In diesem Sinne allen Familien einen besonderen Tag.

1 thought on “Sinnloser (Valentins-)Tag”

  1. Hallo. Bin durch Zufall über deine Frau, der ich folge auf deinen Beitrag gestoßen.
    Ich muss sagen, dass ich grundsätzlich deine Meinung zu dem vermeintlich besonderen Liebestag im Jahr teile, allerdings verfalle ich jedes Jahr in meinen Klitsch-Konsum und kaufe zB diese tollen Pralinen in romantisch verpackter Herzform-Optik.
    Ja zugegebener Maßen spricht und springt mir das Produkt ins Auge. Eine Absicht im Gedanken um auf diese Art und Weise meinem Mann meine Liebe „zu beweisen“ habe ich oft garnicht. Ich denke die Frauen unter uns wissen was ich meine.
    Ansonsten gleicht selbstverständlich jeder Tag dem anderen und man kann sich nicht oft genug sagen wie gerne man sich hat oder eine kleine Aufmerksamkeit schenkt, denn da warte ich gewiss nicht auf den 14. Febraur. Liebe Grüße

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